· 

Warum kostet alles mehr, wenn Hochzeit draufsteht?

Kennst du das? Du gehst in einen Laden oder auf eine Website, um dich nach Preisen zu erkundigen, und plötzlich bemerkst du, dass alles teurer ist, wenn es um das Thema Hochzeit geht. Warum kosten Hochzeitsfotos plötzlich doppelt oder dreifach so viel wie Familienfotos? Und warum ist ein Brautstrauß so teuer, was unterscheidet ihn von einem normalen Blumenstrauß? Ich weiß, das ist frustrierend und wirkt manchmal wie eine Masche, um Hochzeitspaaren mehr Geld abzuknöpfen. Aber stimmt das wirklich?

 

Ich zeige dir das Ganze mal aus meiner Sicht als Hochzeitsfotografin. Wenn dich das interessiert, lies einfach weiter. 😊

Gleiche Arbeit, anderer Preis? Warum Hochzeiten teurer sind

Wenn wir Preise vergleichen, entscheiden wir oft nach Bauchgefühl, ob wir etwas als teuer, günstig oder in Ordnung empfinden. Das ist in vielen Bereichen auch berechtigt, zum Beispiel beim Lebensmitteleinkauf: Die Preise kennen wir meistens ungefähr und können sie deshalb gut einschätzen.


In neuen Situationen können wir uns jedoch nicht immer auf unser Bauchgefühl verlassen. Diese Herausforderung betrifft besonders Hochzeitspaare, weil sie meist zum ersten Mal heiraten und oft noch wenig Erfahrung mit Hochzeitsdienstleistungen haben.

Warum kosten Hochzeit oft mehr?
Warum kosten Hochzeit oft mehr?

Deshalb sollten wir nicht allein nach unserem Bauchgefühl urteilen, wenn wir entscheiden, ob Hochzeitsfotos oder die Torte zu teuer sind, wir können die Arbeit und den Aufwand dahinter oft nicht richtig einschätzen.


Ich zeige dir das einmal anhand meiner Arbeit als Fotografin.

Unterschiede Hochzeit und Fotoshooting

Schauen wir uns einmal ein Familienfotoshooting und eine standesamtliche Hochzeitsreportage an:

 

Familienshooting

  • Dauer: ca. 1 Stunde


  • Preis: ca. 300 €



 

Standesamtliche Hochzeit

  • Dauer: ca. 1 Stunde


  • Preis: ca. 600 €



 

Die Hochzeitsreportage kostet also doppelt so viel, obwohl die Fotografierzeit nicht länger ist als beim Familienfotoshooting. Wie kann das sein?

Worin sich eine Hochzeitsreportage von einem Familienshooting unterscheidet, ist Folgendes:

  • die benötigte Vorarbeit


  • der zeitliche Puffer vor dem eigentlichen Fotografieren


  • die Anzahl der Bilder, die im Preis inklusive sind


  • die Dauer der Bildbearbeitung


  • die Verantwortung

Auch wenn die eigentliche Fotozeit in beiden Fällen gleich ist, ist die Leistung dahinter deutlich unterschiedlich.

Anja Menzel Hochzeitsfotografin
Ich teile meine Erfahrungen als Hochzeitsfotografin

Zeitaufwand Hochzeit und Fotoshooting: Hochzeit Preise erklärt

Bei einem Familienshooting habe ich im Vorfeld nicht viel Arbeit. Meistens bekomme ich eine Anfrage per Mail oder WhatsApp und telefoniere einmal vor dem Termin mit den Kunden, um offene Fragen zu klären und eine Location für das Shooting auszumachen.

Bei einer Hochzeit, auch wenn es nur eine kurze standesamtliche Trauung ist, mache ich immer im Vorfeld einen Kennenlerncall mit dem Paar, entweder telefonisch oder per Videochat. Das ist mir sehr wichtig, weil ich die Personen, deren Hochzeit ich begleite, zumindest ein wenig kennenlernen möchte, um herauszufinden, ob wir gut miteinander klarkommen.

 

Hochzeiten sind ein sehr emotionales Thema, bei dem es schnell zu Unstimmigkeiten kommen kann, wenn man sich nicht gut versteht und nicht alle wichtigen Punkte vorher bespricht.

 

Für diesen Call plane ich immer 20–30 Minuten ein. Manchmal, wenn man sich ein bisschen verquatscht oder das Paar viele Fragen hat, kann es jedoch auch länger dauern.

 

Zudem setze ich im Anschluss einen Vertrag auf und tausche noch mehrere Mails mit dem Paar aus, bis die Hochzeit fest gebucht ist. Bis dahin habe ich bereits mindestens ein bis zwei Stunden Arbeit investiert, die ich einkalkulieren muss.

Hochzeitspaar küssend
Kennenlerncall vor einer Hochzeit - für mich ein Muss!

Arbeitszeit als Fotografin

Was vielen Kunden nicht bewusst ist und das ist absolut in Ordnung, weil es ja nicht ihr Job ist: Ich komme nicht einfach zum Standesamt oder zur Shootinglocation und beginne zu fotografieren. Ich muss vorher einen Parkplatz suchen, manchmal noch ein paar Minuten zum Treffpunkt laufen und immer einen Zeitpuffer einplanen, denn in Städten wie Berlin kann man nie genau sagen, wie lange man von A nach B braucht.
Bei einem normalen Shooting reicht es meist, wenn ich 15 Minuten vorher da bin. So habe ich genug Zeit und es ist nicht ganz so schlimm, falls ich mich trotzdem ein bisschen verspäte.

Hochzeit im Standesamt Schöneberg
Hochzeit im Standesamt Schöneberg

Aber was, wenn ich zu einer Hochzeit muss und plötzlich ist vor mir ein riesiger Unfall und ich stecke fest? Ein 15-Minuten-Puffer bringt dann leider gar nichts. Aus diesem Grund bin ich bei Hochzeiten immer mindestens 30 Minuten vor der gebuchten Zeit vor Ort. Lieber warte ich dann noch kurz im Auto, als zu spät zur Hochzeit zu kommen.


Auch diese Zeit muss ich in meinen Preis einkalkulieren, andernfalls müsste ich meinem Paar sagen, dass ich es nur vielleicht pünktlich schaffe und das wäre natürlich keine Option.


Preis für Hochzeitsfotos: Verhandlungssache?

Jetzt kommen wir zum Knackpunkt des Preisunterschieds zwischen Hochzeiten und normalen Fotoshootings: die Anzahl der Fotos. Bei einem normalen Shooting sind in der Regel 15 Bilder inklusive. Kunden können natürlich mehr Fotos dazubuchen, wenn sie möchten. Bei Hochzeiten hingegen sind alle gelungenen Bilder inklusive, und das können bei einer Stunde schon 200–300 Bilder sein, weil in kurzer Zeit so viel passiert und ich im Reportagestil viele besondere Momente festhalte.

Natürlich gibt es Kunden, die sagen, sie bräuchten gar nicht so viele Bilder von ihrer Hochzeit und 15 würden ihnen reichen. An dieser Stelle sage ich aber klar: nein. Ich verhandle bei meinen Preisen nicht, und ich fotografiere Hochzeiten, weil ich den Tag für meine Paare für ein ganzes Leben festhalten möchte. Sie sollen sich Jahre später die Bilder anschauen und ihren Tag immer wieder neu erleben können. Die Momente, die ich einfange, passen einfach nicht in 10 oder 15 Fotos:

 

  • Bilder vom Standesamt, seiner Architektur und besonderen Details


  • Bilder vom Trausaal


  • Das Ankommen der Gäste und des Paares


  • Die ersten Umarmungen


  • Die Trauung mit allen Emotionen: Händchenhalten, Freudentränen


  • Den Ringtausch und den Kuss


  • Den Auszug aus dem Standesamt


  • Die Glückwünsche und den Sektempfang



Ja, vielleicht schaffen es Paare, sich 10 Bilder daraus auszusuchen. Aber was, wenn sie in 30 Jahren durch ihre Hochzeitsfotos blättern oder scrollen und sagen:

 

„Schade, dass wir von diesem Tag nur so wenige Fotos haben.“

 

Außerdem frage ich mich immer: Würden diese Leute auch im Restaurant fragen, ob sie Pizza günstiger bekommen, wenn sie statt acht Salamischeiben nur vier nehmen, weil sie acht nicht brauchen?

 

So arbeite ich einfach nicht und deswegen bekommen alle Hochzeitspaare von mir alle gelungenen Fotos.


Bildbearbeitung Hochzeitsfotos: Wie lange dauert es wirklich?

Für die anschließende Bildbearbeitung bedeutet das natürlich auch, dass die Bearbeitung der Hochzeitsbilder deutlich länger dauert als bei Familienfotos. Außerdem kommt hinzu, dass Familienfotos meist innerhalb von einer Stunde an einer Location entstehen. Vielleicht machen wir einen kleinen Spaziergang, aber die Umgebung und das Licht ändern sich dabei nicht großartig.

 

Bei Hochzeiten hingegen fange ich oft draußen vor dem Standesamt an, dann geht es hinein, oft in einen Warteraum mit künstlichem Licht, anschließend in den Trausaal, wo das Licht wieder ganz anders ist, und zum Schluss nochmal nach draußen. Jedes Mal, wenn wir die Location wechseln, muss ich die Bearbeitung im Nachhinein entsprechend anpassen. Das ist aufwändig und nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch.

Verantwortung bei Hochzeiten: Meine Arbeit als Fotografin

Ein letzter Punkt, der mir sehr wichtig ist: Als Hochzeitsfotografin trage ich an diesem Tag eine große Verantwortung, selbst bei einer kurzen, einstündigen standesamtlichen Trauung. Für viele Paare ist dieser Tag einer der wichtigsten ihres Lebens – und er lässt sich nicht wiederholen.

Wenn ich zu spät komme, mich zeitlich vertue oder meine Technik plötzlich ausfällt, könnten meine Kunden im schlimmsten Fall ohne Fotos von ihrem Hochzeitstag dastehen. Deshalb muss ich an diesem Tag bestens vorbereitet sein: meine Technik zusammenpacken, alle Akkus laden, Kameras und Objektive überprüfen und für alle Eventualitäten gerüstet sein. Auch wenn es plötzlich regnet oder schneit, muss ich fotografieren und das geht nur, wenn ich körperlich und mental voll einsatzbereit bin.


Bei normalen Shootings besteht diese Verantwortung nicht in diesem Ausmaß. Wenn dort etwas schief läuft, kann der Termin verschoben werden, ein einmaliger, unwiederbringlicher Moment hängt nicht davon ab. Stehe ich im Stau oder geht die Kamera kaputt, fällt nicht der ganze Tag ins Wasser.

Hochzeitspaar beim Ringtausch
Meine Verantwortung als Fotografin: Euren Tag in allen Einzelheiten festhalten

Fazit: Warum Hochzeiten teurer sind und warum das oft gerechtfertigt ist

Ja, sobald „Hochzeit“ draufsteht, wird es oft teurer, aber das hat seine Gründe, auch wenn sie vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich oder nachvollziehbar sind.


Als kleiner Denkanstoß, falls du jetzt denkst: „Okay, aber was ist mit dem Brautstrauß?“
 Aus Erfahrung kann ich dir sagen: Ein Brautstrauß macht den ganzen Tag über, vor allem an langen Hochzeitstagen, echt viel mit. Oft liegt er stundenlang in der Sonne, wird beim Umarmen herumgeschwenkt und plattgedrückt, ist die ganze Zeit ohne Wasser und trotzdem hält er seine Form, sieht frisch und üppig aus, und die Blüten bleiben fest. Woran das liegt? Weil es ein Brautstrauß ist, der speziell für eine Hochzeit angefertigt wurde: Er wurde an die Dekoration, das Farbkonzept und sogar die Körpergröße der Braut angepasst und so konzipiert, dass er einen langen Tag problemlos übersteht. Ein normaler Blumenstrauß würde das nicht schaffen, da hängen die ersten Blüten oft schon, wenn man zuhause angekommen ist.


Ich denke, dass es in allen Hochzeitsdienstleistungsbereichen so ist: Hochzeiten haben einfach ganz eigene Ansprüche, die nicht mit normalen Standards erfüllt werden können. Natürlich kann es vorkommen, dass manche Dienstleister noch etwas „oben draufschlagen“, aber dann lohnt es sich, Preise zu vergleichen, allerdings immer mit Blick auf die gleiche Leistung und nicht unterschiedliche Standards.


Melde dich gerne, wenn du Fragen dazu hast. 😊

Kommentar schreiben

Kommentare: 0